Etta Bengen. Planungsbüro für individuelle Konzepte


  Zwerge

Zwergensagen

Die Zwerge von Hitzacker

Sigismund von Birken, sine Frünn Floridan un Flanton in den Barg rinschickt, un da hebben se grote Sääl in funn un herrliche Bildnissen un Säulen un Standbilder von Herzog Wittekinn un von all de annern oolen Herren, un Gold un Silber un Edelgestein un ne weissagende Frau - - - Nu ward ji woll seggen: Dichtersnack! – abers nee, dat hebben ja den Dichter sin Frünn em vertellt un nich he sülms, - anners würd ick dat je woll ook nich glöben, abers nu segg ick: Leest allens sülbens na, dat steit in´n "Niedersächsischen Lorbeerhain" von 1659. Un dat mutt doch woll wohr sien.

Un denn weet ji doch woll, datt bi Treppenschröders Huus´n Gang in´n Barg ringeiht, son richtiges Gewölbe. Abers de Gang is all oolt un kann licht mal instürzen, un wenn Du denn grad in wierst un he föll di upp´n Kopp, den so wöer de Gang twei un dien Kopp je woll ook, - un dat wöer vielleicht schade üm di, jedenfalls abers üm den Gang! Also wi willn´t man blieben laten un nu erst mal hören, wat de ollen Vöröllern von de Dwargen vertellt hebben.

In alten, alten Zeiten, kein Mensch kann sagen, wie lang das her ist, denn die ältesten Leute haben es von ihren Großeltern gehört das es lange her war und das die Großeltern der Großeltern nicht wußten, wie lang!! - - da waren im Weinberg bei Hitzacker die Untererdschen, die Kleinen, die Zwerge. Was sie dort taten? Ich weiß es nicht genau. Im Gebirge waren sie damals viel, im Harz, im Deister und im Riesengebirge und so; da haben sie Gold und Silber und Edelstein gefunden und gewaltig in den Stollen gewirkt und sind davon reich geworden und haben gute Menschen, die freundlich zu ihnen waren manchmal mit Gold und Edelsteinen beschenkt, - aber für diejenigen, die nur aus Eigennutz an sie herantraten, verwandelte es sich am anderen Tag zu Pferdeäpfel. – Hier bei uns im Weinberg ist ja nun kein Gold und Silber zu finden; aber sie haben dort gewohnt und gearbeitet haben sie dort auch. Möglicherweise haben sie den Berg geheizt, da es zu der Zeit ja so schönen Wein gab, der sogar beim Fürsten am Hofe getrunken wurde. Und zu der Zeit von Herzog August war mal ein Dichter, Sigismund von Birken, seine Freunde Floridan und Flanton in den Berg geschickt worden und da sahen sie große Säle und Bildnisse, Säulen und Standbilder von Herzog Wittekind und von anderen alten Herren, und Gold, Silber und Edelsteine und eine Wahrsagerin. - - - Nun werdet ihr sagen: Dichterworte“ – aber nein, das hat ja nicht der Dichter gesagt, sondern seine Freunde – sonst würde ich das ja wohl nicht glauben, aber nun sag´ ich: Lest es doch selber nach, es steht im "Niedersächsischen Lorbeerhain" von 1659. Und das muß doch wohl wahr sein.

Ihr wißt doch wohl, das bei Treppenschröders Haus ein Gang in den Berg führt, so ein richtiges Gewölbe. Der Gang ist alt und kann leicht einstürzen, und wenn du gerade da drinnen bist und die Decke fällt die auf den Kopf, dann wäre der Gang kaputt und dein Kopf ja wohl auch. – und es wäre vielleicht schade um dich, für den Gang allemal! Also wir wollen es mal bleiben lassen und erst mal hören, was die Großeltern von den Zwergen zu erzählen haben.

Wat also eegentlich de Dwargen von Hitzacker ehr Gewarw west is, dat weet wi nich; abers können deen se rein allens, un will dat se von Harten godmäudig wiern, so hadden de Börgers von Hitzacker ehren Böddeel davon, - wenn se man sülbens good weern. Wöer da´n Muermann, orndlich un flietig, un de Arbeid güng em good von ´e Hand. He had an sien Hus at to flicken un to putzen, un weil dat et sien eegen wör, so hadd he gegen Handwarksbrut öber Fierabend daran herümarbeid un wöer doch nich farig worn. He lett also sien Kalch un sien Ledder stahn un dach, an annern Morgen mit de Sünn wedder antofangen. – Je ja, je ja: As he mit den ersten Sünnstrahl tosamen sien Huus ankeek, da weert all fix un fahrig maakt, un dat schick sick noch beter as sien eegen gode Arbeid!

Sien Nahwer weer ´n Maler. De hadd jewoll gern den Man faatt, de de Arbeid erfunn hädd, un denn würd he sick angriepen un den Erfindersmann ook angriepen, un denn süll dat je woll den Erfinner nich good gahn. – Na, uns Malermeister wörr denn nu hellschen neidisch up den Muermann, den dat so schön glück wöer mit de Arbeid, de de Dwargen dahn hadden. Un he wull sick nu von de Uennereerdschen sien Huus mal schön anstrieken laten. He stell also sien lang Leddern an´t Huus un misch sick schön Farwen un stell de Pött dabi hen un de Pinsels dato, - un denn künn de Arbeid also losgahn. Abers nu wöer Fierabend worn un he wör möed un döstig; he stell also siene Pött uppe Deel un güng na Kroog. Off he da mit sien schönen plan rutrückt is, weet ick nich, he is abers recht vergnögt worrn. Un denn gung he na Huus un sett sick up sien Kanapee und wull uppassen, at nu woll de Dwargen kehmen; un bießtt Töwen is ´e inslapen, un weil datt he so schön fiert hett, so is sien Slap ook danach west. Annern Morrn, de Sünn was all lang up, da waak uns Malermeister up von en Larmen ujn Juchen vör sien Huus. He meen, de Lüd freuen sick över de schöne Maleri von de Dwargens un güng denn ook gans vergnögt rut, - - abers wo sach sien Huus ut! Grön un Geel, un witt un swatt un Farwens, de et garnich gifft, alls dörchenanner, - un de Lüed juchen: Meister, wo sühst Du ut! Un he keek in´n Spegel, da hadden de Lütten em ook in sien Gesicht rümmerirkt un vör allem sien Näs blu un rood anteikent, as hädd he nich erst gistern Abend, nee sien ganzes Lewen lang an eer mit Grock rümarbeit.

Da wöer ne Wittfru in Hitzacker, de hätt sick mit ehre beiden Döchter von ehr Börgerstelle slecht un recht ernährt; Schulden hebben´s nich makt, abers ook keen Geld op Tinsen leggt, schon wil´s damals noch keen Kreis- un Sparkaß gewen hätt. Abers arbeit hebbens, un dat düchtig. Un Abens sünd se nich farig worrn mit dat Utsammeln von Aften un Bohnen, - de slechten för ehre eegene Köck un de goden to´n Verköp an rieke Lüe. Un as se annern Morgen wedder anfangen willn, süh so, da sünd all de slechten un verkräperten Arsten un Bohnen verswunnen, un stats ehre stahn da Säck vull von de allerbesten; - un en Gietzkragen von Nahber kann sick inne nächsten Dag gornich noog öber wunnern, dat sien Arsten un Bohnen in ´t Gohren düt Johr so slecht Bohnen willn. Wi abers weeten ja nu, wo de Uennererdschen all den Segen herholt hebben för de arme Frau un ehre Döchter.

Was die Zwerge eigentlich gemacht haben, weiß ich nicht, aber sie konnten fast alles, und weil sie von Herzen gutmütig waren, so hatten die Bürger von Hitzacker den Vorteil davon, wenn sie selber gut waren. Da war ein Maurer, ordentlich und fleißig und die Arbeit ging ihm gut von der Hand. Er hatte sein Haus zu flicken und zu putzen, und weil es sein eigenes war, so hatte er gegen den Handwerksbrauch über den Feierabend hinaus weiter gearbeitet und war dennoch nicht fertig geworden. Er ließ also seinen Kalk und seine Leiter stehen und gedachte am nächsten Morgen mit dem Sonnenaufgang weiterzumachen. – Jaja, als er mit dem ersten Sonnenstrahl sein Haus ansah, da war es fix und fertig, und es sah noch besser aus als es seine eigene gute Arbeit vermocht hätte.

Sein Nachbar war ein Maler. Der hätte gern einmal den Mann getroffen, der die Arbeit erfunden hatte und dann würde er diesen Erfinder angreifen, so das es dem dabei nicht gut ergehen würde. Na, unser Malermeister war sehr neidisch auf den Maurer, der so viel Glück bei der Arbeit gehabt hatte, da es die Zwerge gemacht hatten. Und nun wollte er sich von den Unterirdischen sein Haus schön streichen lassen. Er stellte also seine lange Leiter an das Haus und mischte schöne Farben und stellte Töpfe und Pinsel dazu, - die Arbeit könnte jetzt los gehen. Aber nun war es Feierabend geworden und er war müde und durstig; er stellte also seine Töpfe auf die Diele und ging zum Krug. Ob er dort seinen schönen Plan erzählt hat, weiß ich nicht, er war aber sehr gut gelaunt. Und dann ging er nach Hause und setzte sich auf sein Sofa und wollte aufpassen, wann die Zwerge kommen würden -, aber beim Warten ist er eingeschlafen, und weil er so schön gefeiert hatte, war sein Schlaf tief und fest. Am anderen Morgen, die Sonne war längst aufgegangen, da wachte unser Malermeister vom Lärmen und Juchzen vor seinem Haus auf. Er meinte, die Leute würden sich über die schöne Malerarbeit der Zwerg freuen und ging ganz vergnügt aus dem Haus, - - aber wie sah sein Haus aus! Grün und gelb, weiß und schwarz und Farben, die es gar nicht gab, alles durcheinander, - und die Leute juchzten: Meister, wie siehst du aus! Und er sah in den Spiegel, die Kleinen hatten auch in seinem Gesicht gewirkt und vor allem seine Nase blau und rot angemalt, als hätte er nicht nur gestern Abend, nein sein ganzes Leben nur von Grog gelebt.

Da gab es in Hitzacker eine Witwe mit zwei Töchtern, die sich mehr schlecht als recht von ihrer Bürgerstelle ernähren konnte. Schulden hatte sie nicht, aber auch kein Geld für Zinsen angelegt, auch weil es damals noch keine Kreis- und Sparkasse gegeben hat. Aber sie haben viel gearbeitet. Und Abends sind sie nicht fertig geworden mit dem Pulen der Erbsen und Bohnen – die schlechten für ihre eigene Küche und die guten zum Verkauf an reiche Leute. Als sie am anderen Morgen weitermachen wollten, siehe da, da sind all die schlechten und verkümmerten Erbsen und Bohnen verschwunden und statt dessen sind die Säcke voll mit den allerbesten; - und ein Geizhals in der Nachbarschaft konnte sich am nächsten Tag gar nicht genug wundern, daß seine Erbsen und Bohnen im Garten dieses Jahr so schlecht sind. Wir aber wissen nun, wo die Unterirdischen all den Segen für die arme Frau und ihre Töchter hergeholt haben.

´n besonneres Gewarw wör dunnmals noch för jeden gröteren Husholt, dat se Bier bruen möß´n. Dat wör abers denn nich son Lagerbier oder Dubbelbeer oder so; nee, ´t wör man eenfach Brunbeer un güng nich to Kopp, - abers hüt willn de Minschen je woll geern mal wat in´n Kopp kriegen, viellicht wiel se süß nich noog in´n Koop in hebben? – Un dunmols geew dat morrns noch keen Kaffee, nich mal ´n Kornkaffee; de Fruens setten eenfach ´n Pott mit Brunbeer un Mehl un Sucker odder Honning up´t Füer, un denn eten se en düchtig Stück Swattbrot dato, un dat smeck jem good un swleit ook an. – Nu wöern de Fruens in Hitzacker abers nich in´n Besitz von een eenzelten Bru-Ketel för dat Beer-Bruen, un doch hadden se nie nich Not damit. Se schickten blots ehre lütten Gören an´n Wienbarg, so in Schuernstied, un de müß´n ne Bestellung von ehr Mudding utrichten un off woll de Dwargens so frönnlich wesen wulln un jem en Bru-Ketel dohn. Un wenn´t denn erst ganz düster ward, denn so gung de Frau odder ehr Mann an den Berg ranner, un da stunn denn de paßlich Ketel. Se hebben em denn brukt un wedder an sien Platz hennebrücht, drösten nur nich vergeten, en Pot mit Brunbeer un en Stuten as Bedankemich dabitolegen, - süß künn de undankbore Frau en annermol vergewens bidden.

Och at wöer dat doch ne schöne Tied dunmols för de Huusfruens von uns´lütte Stadt! De Dargens wöern doch so´n richtigen Segen vör jem un för eere Lüd; se hulpen, as ick vertellt heff, de Flietigen un se argerten un straften de Fulen; se weern dat Geweeten un de stille Gerichtsborkeit för Jung und Olt un Riek un Arm. Worüm is dat nu hüet nich mehr so??? Dat hebben so´n poor Slüngels von Handwarksburschen schuld! De keemen een Dag so in Schummerstied an´n Wienbarg vörbi, just as een Hitzackersch Börgersfru den lehnten Beerketel wedder affliewert hadde mit den Pott Brunbeer un den Stuten as Bedankemich. Un de Bengels wöern je woll döstig von eer Loopen un freuten sick öber dat schön Beer un drunken dat heel ut; un de Stuten wör jem ook to schad liggen to laten, - se wüßten je ook nich, wat för ne Beandnis dat damit harre, - se eeten em also up. Na dat wöer ja nu eehre Dummheit, un wenn´t ook nich recht von jes was, so willn wie se dorüm noch nicht to arg schelln, wil dat wi nich weeten, off wi dat in eehre Stell beeter makt harren. Abers nee, so wat drösten se doch nich dohn, dat se den Bru-Ketel, de von de dankbore Frau noch extra schön blankputzt weer, vull scheeten deeden! – Un den güngen se noch inne Stadt un „grüßten dat Handwark“, as dat in Tieden Mood weer, un de gaudmäudigen Hitzackerschen Meisters hebben jem ook an annern Morgen noch ´n Gröschen Geld mit up´n Weg gewen, enn de Goodheit von de Dwargens hadde doch natürlichewies up jem affarwt!

Ein besonderes Gewerbe war damals noch für jeden größeren Haushalt, das Bierbrauen. Das war aber nicht ein Lagerbier oder Starkbier oder so; nein das war ein einfaches Braunbier, das nicht so in den Kopf ging, - aber heute wollen die Leute ja gerne mal was in den Kopf kriegen, vielleicht weil sonst nichts drin ist? – Und damals gab es morgens keinen Kaffee, nicht mal Kornkaffee; die Frauen setzten einfach einen Topf mit Braunbier und Mehl und Zucker oder Honig auf, und aßen ein gutes Stück Schwarzbrot dazu, das schmeckte gut und sättigte. – Nun waren die Frauen von Hitzacker jedoch nicht im Besitz eines einzelnen Braukessels für das Bierbrauen, und doch hatten sie nie Not damit. Sie schickten nur ihre kleinen Mädchen zum Weinberg, so in der Dämmerung, und die mußten von ihrer Mutter eine Bestellung an die Zwerge ausrichten, ob sie so freundlich sein wollen ihnen einen Brau - Kessel auszuleihen. Und wenn es dann dunkel geworden war, dann ging die Frau oder ihr Mann zum Berg und dort stand der passende Kessel. Sie haben ihn dann benutzt und an seinen Platz zurückgebracht, durften jedoch nicht vergessen, einen Topf mit Braunbier und ein Weißbrot als Dankeschön dazu zu legen, - sonst konnte die undankbare Frau ein anderes Mal vergebens bitten.

Ach was war das doch eine schöne Zeit für die Hausfrauen unserer kleinen Stadt! Die Zwerge waren ein richtiger Segen für die Stadt und ihre Bürger; sie halfen, wie erzählt, den Fleißigen und sie ärgerten und straften die Faulen; sie waren das Gewissen und die stille Gerichtsbarkeit für Jung und Alt und Reich und Arm. Warum ist das heute nicht mehr so? Da haben so ein paar Schlingel von Handwerksburschen schuld! Die kamen eines Tages in der Dämmerung am Weinberg vorbei, gerade als eine Hitzackersche Bürgersfrau den geliehenen Kessel mit Braunbier und Weißbrot als Dankeschön zurück gebracht hatte. Die Bengel waren durstig vom vielen Laufen und freuten sich über das schöne Bier und tranken es ganz aus; und das Weißbrot war auch zu schade zum Liegenlassen, - sie wußten ja auch nicht, was es damit auf sich hatte, - sie aßen es also auf. Nun das war ihre Dummheit, und wenn es auch nicht recht war, so wollen wir darüber nicht schimpfen, weil wir nicht wissen, ob wir es an ihrer Stelle nicht genauso gemacht hätten. Aber nein, so was durften sie doch nicht machen, den Braukessel, der von der dankbaren Frau noch extra schön geputzt worden war, voll zu koten! – Und dann gingen sie noch in die Stadt und „grüßten das Handwerk“, als es zu der Zeit Sitte war, und die gutmütigen Hitzackerschen Meister gaben ihnen am nächsten Morgen noch einen Groschen mit auf den Weg, denn die Gutmütigkeit der Zwerge hatte auf sie abgefärbt.

Aber nee, de Dwargen weern an den Dag nich "good", - se weern falsch, gans falsch un fünsch öwer de oogenschienliche Slechtigkeit von de Börgers. Se wüßten jo nich, wer se den Schimp andahn hadde; un dat mag denn in´n Wienbarg an den sülbigen Dag ´n schön ´n Upruhr west wesen, so as in´n Immenstock, wenn he utwannnern will. Dull wöern se, ein dull; un utwannern wulln se, keen Dag miehr mit de Hitzackerschen, de „Pannenschieters“, as se jem nu schulln, tosamembliewen. Un de Hitzackerschen wöern doch so unschüllig an düsse dreckige Nahreed!

Middernacht wör´t. De Turmklock mellte 12mal, un de Nachtwächter bloos 3mal in sien Horn un sung de ole Wies´: Twölf is de Klock, - de Fährmann wöer half-wach un wull sich grad tofreden uppe annere Sied legen un noch so´ne 4 bet 5 Stunn snurken, - - dunn klappert un klarrt dat an sien Finster, un ne piepsige Jungensstimm reep: Fährmann, hol über! – Schimpen hadde keen Zweck, he stunn up un keek rut – un sach so´ne Ort von 9- bet 10jöhrigen Jung buten stahn, abers de hadd ´n langen grisen Bort un ´n olet Gesicht un breeden Puckel, beten krumm von Arbeiden, leddern Tüg un Timpmütz, un de wink em, he sall rut kamen. Unds´Fährmann, - Schult heet he ja oll? – wer keen Bangbüx, abers he kunn sick das Grudeln doch nicht ganz verbieten, güng rut un frög, wat denn los wier. „Veel Volks sallst öber Elw`bringen. Nümm dien`n gröttsten Kahn un kumm anner Sied Geeßel!“ Schult kreeg erst mal sienen Fährknecht hoch, - wat en swor Stück Arbeid was, wiel att de den Abend utwest wöer, abers nich bi Brunbeer, - nöhm sien gröttsten Kahn un föhr mit den lütten oolen Mann röber nah´n Wienbarg. Abers he wöer bald ümkiehrt, denn in´n Mahnschien sach he dor en Gewimmel un Getrimmel von lütte Lüd mit Sack un Pack un Hühn un Perdühn un Wagens un Karren; un een von de Lütten – Ji weet all, datt dat de Dargens wöern, abers Schult kenn jem ja nich, he had noch keen sehn! -–de satt sogor up´n lütt Peerd, un ünner sien leddern Timpmütz keek ne Krohn herut vun idel Gold und Edelstein.

Uns´Fährmann verfiert sick denn nun nich slecht, as de lütt Mann up den Peerd em kort un kolt frog, off he jem alltosomen öber Elw föhren wull; un he segg gans ducknacksch, dat wöer ja sien Gewarw, un he wöer daför von den Magistrat anstellt, aberst de Lüd müssen em jedwerein ´n Schilling daför gewen. De Dwargenkünnig blitzt em mit sien funkelnden Ogen an un säe kort un herrisch, dat wör sien Recht, un wat sien Recht wöer, süll em ok arden. "Je un denn", seggt nu uns´Schult, "de Fährknecht kreeg för sien fuer Geschäft ook noch´n Gröschen Geld von jem". "Sall he hemm", seggt bde lütt Mann, "wi warrn uns freun, wenn wi de undanboren Hitzackerschen Minschen so drah as möglich mit´n Rücken ankieken könn".

Schult har nu gern noch fragt, wat denn de Hitzackerschen em dahn hadden, dat he so fünsch up jem wöert, se wöern doch gans ümgängliche Lüd; - abers he wagt dat gornich, son stolt sach de lütt Mann mit den güllne Kron ut, un de Dwargens fungen middewil ook all an, den Fährkahn to füllen, lütt un noch lüttere un gans lütt Kroptüg, Kisten un Kasten un Büdel un Säck, Geschir un Handarkstüg, vun all Ort un wat son ganzes Volk mit sick nehmen mutt, wenn et utwannern deiht. "Holt stop!" schree uns´Fährman, "mehr gahn nich rin in´n Kasten!" un föhr aff un hadd sien Not mit sien Knecht tosamen, den vullen Kahn dörch den Strom to bringen, denn de lütten Lüe kunnen em wenig helpen, se wöern ja to lütt för sien Geschirr, un denn verstunnen se je woll allerlei, wat he nich künn, abers von Kahnföhren un Elwstrom hadden´s nu doch keen Ahnung.

Na also, uns Schulz köm in Sweet un sien Fährknecht je ook, obschon datt dat Nachts wöer un´n käulen Wind uppe Elw weihte. Abers he freu sick denn doch in Gedanken an den schönen Gröschen Geld, den he de Dwargen affnehmen wull. De Fähr hadd dunnmals noch keen feste Taxe, un wenn so Lüed sick översett en leten, de meindag nich wedder öber Elw kamen würden, denn so namm de Fährmann na Gutbedünken, un dat wöer sein goodes Recht – för damalige Tieden. Na un denn so de Dwargen, de hadden doch gewiß so vel Gold un Sülber, - da künnen se em doch to´n Affschied ´n beten von torügg laten! - - Dreemal hett uns Fährmann de Fahrt makt; up´t veerte kamm de Künnig mit sien Peerd un sien nächsten Hoffstaat röber, un sien lütt Volk, wat up em töwt hadde, sette sick all in Marsch up Caarßen los, - at dunmoal noch „Cocarescem“ nöhmt würd, - un Schult höll sien Hand her, dat de Künnig em sien Lohn darupleggen süll. De steg jüst up sien Peerd, wat annersied un inn Kahn de Tied verdreben hadde, mit sowat, wat en Peerd geern deiht, wenn he lang stahn mutt un Langewiel krigt. Un de Dwargenkünnig keek mien´n Schult so vun babendagl an un seggt to em: "De Hitzackerschen sünd nix weert as wat ´n Dwargenpeerd jem trügglet!" – un domit red he sien Volk na! - - - Na, wat uns´Fährmann schimpt hett un sien Knecht dato, dar weet blots een, de up Schipfohrt west is. Un as Schult gor vun sien´n Knecht verlangen de, dat he en Peerdreck ut´n Kahn rutfegen süll, da gung dat Schimpen erst recht vör dull los. Schult grep na de Schüpp, de schon dunmols up jedet rechte Fohrtüg to finnen wöer, un wull je woll sien Knecht damit an´n Kopp gahn, besunn sich abers un dee so, as wenn he sülbens den Dreck ut dat Schip smieten würd. Abers nee, dat wöer doch gegen sien Ehr un Würden, un so lett he liggen, wat dat peerd da henleggt hadde, un schimp un güng to Bedd, opschonst dat all gegen Morrn güng; un de Knecht folg den Herrn vernünftig nah.

Aber nein, die Zwerge waren an dem Tag nicht "gut", - sie waren nicht gut gestimmt, sie waren verärgert über die Schlechtigkeit der Bürger. Sie wußten ja nicht wer ihnen die Schmach angetan hatte; das mag an dem Tage im Weinberg ja ein schöner Aufruhr gewesen sein, ganz wie in einem Bienenstock, als wenn er auswandern wollte. Wütend waren sie; und auswandern wollten sie, keinen Tag mehr mit diesen Hitzackeranern, den „Pannenschieters“ (Pfannenscheißern), wie sie sie jetzt nannten, zusammen bleiben. Die Hitzackeraner waren doch so unschuldig an dieser dreckigen Narretei!

Es war Mitternacht! Die Turmglocke schlug 12 und der Nachtwächter blies dreimal in sein Horn und sang die alte Weise: Zwölf schlägt die Uhr, - der Fährmann war halb wach und wollte sich gerade zufrieden auf die andere Seite legen und noch so seine 4 bis 5 Stunden schnarchen, - - als eine piepsige Jungenstimme rief: Fährmann, hol über (setz über)! – Schimpfen hatte keinen Zweck, er stand auf und sah hinaus – und sah einen ca. 9 bis 10jährigen Jungen draußen stehen, aber er hatte einen langen grauen Bart und ein altes Gesicht und breite Schultern, ein wenig krumm vom Arbeiten, ledernes Zeug an und eine Zipfelmütze auf, der winkte ihn nach draußen. Unser Fährmann – Schulz hieß er ja wohl? –war kein Angsthase, aber er konnte das Gruseln doch nicht ganz unterdrücken, ging raus und fragte, was denn los sei. "Viele Leute sollst du über die Elbe bringen. Nimm deinen größten Kahn und leg an der Seite an!" Schulz weckte zunächst seinen Knecht, -was ein schweres Stück Arbeit war, weil der am Abend ausgewesen war, aber nicht beim Braunbier, - nahm seinen größten Kahn und fuhr mit dem kleinen Mann zum Weinberg rüber. Aber er wäre am liebsten sofort wieder umgekehrt, denn im Mondschein sah er ein Gewimmel von kleinen Leuten mit Sack und Pack und Hühnern und Wagen und Karren; und einer von den Kleinen – Ihr wißt schon, das es sich um die Zwerge handelt, aber Schulz kannte sie ja nicht, er hatte noch nie einen gesehen! – der saß sogar auf einem kleinen Pferd und unter seiner ledernen Zipfelmütze lugte eine Krone aus Gold und Edelsteinen hervor.

Unser Fährmann erschrak heftig, als der kleine Mann auf dem Pferd kurz und knapp fragte, ob er alle zusammen über die Elbe fahren könnte; und er sagte ganz kleinlaut, daß das ja sein Gewerbe sei, und er dafür vom Magistrat angestellt worden sei , aber die Leute müßten ihm pro Person einen Schilling geben. Der Zwergenkönig blitzte ihn mit funkelnden Augen an und sagte kurz und herrisch, das wäre sein Recht, und was sein Recht sei, soll ihm auch widerfahren. "Ja und dann", sagte unser Schulz, "bekommt der Fährknecht noch einen Groschen von Ihnen". "Soll er haben", sagte der kleine Mann, "wir werden uns freuen, wenn wir die undankbaren Hitzackeraner Menschen so schnell als möglich mit dem Rücken ansehen können". Schulz hätte gern gefragt, was die Hitzackeraner ihm denn getan haben, das er so böse auf sie war, es waren doch ganz umgängliche Leute; - aber er wagte es nicht, so stolz sah der kleine Mann mit der goldenen Krone aus, und die Zwerge fingen mittlerweile an den Fährkahn zu füllen, kleine und noch kleinere und ganz Kleine, Kisten und Kasten, Beutel und Säcke, Geschirr und Handwerkszeug, von allem etwas und eben was so ein ganzes Volk mitnehmen muß, wenn es auswandert. "Halt stop!" schrie der Fährmann, "mehr gehen nicht hinein!" und fuhr ab und hatte seine Not mit seinem Knecht zusammen, den vollen Kahn durch den Strom zu bringen, denn die kleinen Leute konnten ihm wenig helfen, sie waren zu klein für sein Schiff, sie wußten und konnten zwar viel, was er nicht konnte, aber vom Kahnfahren auf dem Elbstrom hatten sie keine Ahnung.

Obwohl es Nacht war und ein kalter Wind wehte, kamen Schulz und sein Knecht in Schweiß. Aber er freute sich doch über den schönen Groschen, den er den Zwergen abnehmen wollte. Der Fährbetrieb hatte damals noch keinen festen Tarif, und wenn sie jemand übersetzen ließ, der sonst wahrscheinlich nie wieder über die Elbe wollte, so nahm der Fährmann einen Betrag nach Gutdünken, und das war sein gutes Recht- für damalige Zeiten. Nun und die Zwerge hatte doch sicherlich soviel Gold und Silber, - da konnten sie ihm zum Abschied doch ein wenig zurücklassen! - - Dreimal hatte unser Fährmann die Fahrt gemacht; beim vierten Mal kam der König mit seinem Pferd und seinem Hofstaat rüber, die wartenden Zwerge hatten sich langsam in Richtung Kaarßen aufgemacht , -damals noch "Cocarescem" genannt – und Schulz hielt seine Hand auf, damit der König seinen Lohn darauf legen sollte. Der stieg gerade auf sein Pferd, das sich auf der anderen Seite die Zeit vertrieben, mit dem, was Pferde so gern machen, wenn sie lange stehen und Langeweile haben. Und der Zwergenkönig schaute meinen Schulz von oben herab an und sagte zu ihm: "Die Hitzackeraner sind nicht mehr wert, als das, was ein Zwergenpferd zurückläßt!" – und ritt seinem Volk hinterher! - - - Na, wie der Fährmann geschimpft hat und sein Knecht, weiß nur jemand der selber die Schiffahrt kennt. Und als der Schulz gar verlangte, sein Knecht solle die Pferdeäpfel aus dem Kahn fegen, da ging das Schimpfen erst richtig los. Schulz griff zur Schippe, die schon damals zur Schiffsausrüstung gehörte, und wollte seinem Knecht damit an´s Leder, besann sich aber und tat so als wolle er selber den Dreck aus dem Schiff schmeißen. Aber das war dann doch gegen seine Ehre, und so ließ er liegen, was das Pferd da hingelegt hatte, und ging schimpfend zu Bett, obschon es gegen Morgen ging; der Knecht folgte ihm ruhig nach.

Unnern Dag wöer Fährschult wedder fröh up; nich blot, weil datt dat dunmols noch mehr so Mood wier, nee, he harr ook slecht slapen, harr sick ja gistern Abend to veel argert; eerst weil dat he ut´n Slaap weckt wöer, - un denn all de Upstann mit de Dwargen, - un dat Sweeten, - un he dröst dabi noch nich mal veel schimpen un sien Harten Luft maaken, weil dat he in Gegenward von´n Künnig wier, - na, ´n feinen Künnig wier dat, de em mit Peerdreck belohnen dee! – un nu arger he sick vör dull, datt he so´n Mann, so´n Grootsnut, so´n Bedreeger nich mit ´n Reemen an ´n Dätz slagen harr, - odder sien´n Knecht för den sien Frechheit mit den Schüpp an´n Kop, - - nee, allens wöer em noch hüt morrn verkehrt, - un dor an´t Euwer, wo dat Peerd so lange stahn hadde un dat mit de Langewiel kreegen hadde, dor lagg je noch sien Schiet, ´n ganzen Hümpel, un in´n Kahn je doch ook, - - - odder ne, he kunn je woll noch nicht ut de Oogen kieken, - he dröhm je woll noch in´n apenboren Morrn rin: Dor lagg je keen Peerappel, - nee Appels wern dat von schieren, blitzblanken Gold!!! He nöhm een inne Hand, - schön swor, idel Gold, - beeten lütt, abers dat wöer je ook ´n Dwargenpeerd west, - Schad! – wenn dat ´n groot Peerd west weer!! – Aber, Schult, nich dröhmen und tüdern, künn süs –lüed kamen un seen de Herrlichkeit, oder de Fährknecht wull sien Deel vun affhebben, - na dat sall he ook, sall sien Schad nich sien, dat he mal in sien Leben Dwargen foert hett. Uns´Schult würd gans vergneugt bi sien Gedankens un hädd je woll binah anfungen to fleiten, abers nee, nu erst gau mit de Schüpp all dat, at dat Dwargenpeerd trügglett tosamenbröcht un feegt un kratzt, bet nix mehr trüggweer.

As de Knecht na ne ganze Weil denn ook to Ruum kehm, wöer he up allens gefaßt von egen sien Utverschamtheit gistern abend, - un nu wüßt he nich, wat he seggen süll, as sien Herr em ´n blanken Dahler inne Hand drück un seggt, ünner de Slichtigkeit van de Dwargens süll he nich lieden, he harr sien Schültigkeit dahn. Un as he nu gor noch seeg, dat sien Herr den ganzen Platz, wo gistern dat Dargenpeer an ´t Euwer un in´n Kahn stahn hadde, so sier utfeegt had, as wiert ´t Danzbähn, dunn faat he sick an´n Kopp un dach nich anners as: He is narrsch worrn! Na mienswegen, wenn em dat Geld so locker inne Dasch sitt, un wenn he dat Schimpenverleernt hett, un wenn he so lustig inne rinn kiekt, - denn so kann he von mienswegen ´n lütten Sparren in´n Kopp hebben; dat schadt em nix un schadt anner Lüd nix. -

Un so wöer de Fährmann un sien Knecht denn recht tofräden mit den Afftog von de Dwargens. Aber de Huusfrugens, - as de dät nächste Mal annern Barg schickten von wegen de Brupann, do kunn´n se sick nich genog dröber wunnern, dat se vergewens luern müßten.Un de Fährlüd vertellen denn je nu ehre Gesicht un vun dat Schimpen vun de Künnig öber de Slichtigkeit von de Hitzackerschen un vun den Peerdreck; - abers von dat Gold hätt Fährschult nix seggt, nich mal to sien Frau, denn de künn villicht den Mund nich hollen. Abers de Hitzackerschen Börgers wunnern sick, wat för´n schönes Gewarw doch de Fährbetrieb sien muß, un wo vel Geld de Mann doch innehmen un utgewer dee, - un de Neid wull jem packen, denn in ehr eegen Geschäft güng dat nu nich mehr mit Dwargen-Hülp, un de Lüd seggen noch hütigen Dags mit Sehnsucht nah de schöne oole Tied: Eens woern de Dwargen de Stadt ehr Segen; - nu möten wi Börgers uns sülbens regen!

Am Tag war der Fährschulze wieder früh auf; nicht nur, weil das damals so Mode war, nein, er hatte schlecht geschlafen, hatte sich abends zuvor zu sehr geärgert; erst weil er aus dem Schlaf gerissen wurde, - und dann der ganze Aufstand mit den Zwergen, - und die harte Arbeit, - und er durfte dabei nicht mal schimpfen und seinem Herzen Luft machen, weil er in der Gegenwart von einem König war, ein schöner König war das, der einen mit Pferdedreck belohnte! – und nun ärgerte er sich, das er so einen Mann, so einen Betrüger nicht mit dem Riemen geschlagen hatte, - oder seinem Knecht für seine Frechheit nicht mit der Schippe auf den Kopf gehauen hatte, - und dort am Ufer, wo das Pferd so lange gestanden hatte und es mit der Langeweile zu tun hatte, dort lagen immer noch die Pferdeäpfel, ein ganzer Haufen, und in seinem Kahn ja auch noch, - - - aber nein, er konnte seinen Augen noch nicht trauen, - er träumte wohl noch in den angebrochenen Tag hinein: Dort lagen keine Pferdeäpfel, - nein Äpfel von schierem, blankem Gold!!! Er nahm einen in die Hand, - schön schwer, edel Gold,- bißchen klein, aber es war ja auch ein Zwergenpferd gewesen!! – Aber, Schulz, nicht träumen und zögern, es könnten sonst Leute kommen und die Herrlichkeit sehen, oder der Fährknecht will seinen Anteil davon aufheben, - na das soll er auch, es soll sein Schade nicht sein, das er mal in seinem Leben Zwerge gefahren hat.

Unser Schulz wurde ganz vergnügt bei seinen Gedanken und hätte fast angefangen zu pfeifen, aber nein, nun erst mal schnell mit der Schaufel alles zusammengefegt und gekratzt, was das Pferd hinterlassen hat, bis nichts mehr zurückbleibt. Als der Knecht nach einer ganzen Zeit auch zum Schiff kam, war er auf alles gefaßt wegen seiner Unverschämtheit des gestrigen Abends, aber nun wußte er nicht was er sagen sollte, als sein Herr ihm einen blanken Taler in die Hand drückte und sagte, unter der Verrücktheit der Zwerge solle er nicht leiden, er habe seine Schuldigkeit getan. Und als er nun noch sah, daß sein Herr den ganzen Platz, wo gestern noch das Pferd am Ufer und im Kahn gestanden hatte, so sauber ausgefegt hatte, als wäre es ein Tanzboden, da faßte er sich an den Kopf und dachte: Nun ist er verrückt geworden! Na, meinetwegen, wenn ihm das Geld so locker in der Tasche liegt, und wenn er das Schimpfen verlernt hat, und wenn er so zufrieden ist, - dann kann er meinetwegen ein Brett vor dem Kopf haben; das schadet weder ihm noch anderen. –

Und so waren der Fährmann und sein Knecht recht zufrieden mit dem Abzug der Zwerge. Aber die Hausfrauen, als sie das nächste Mal zum Berg schickten wegen der Braupfanne, da konnten sie sich nicht genug darüber wundern, das sie vergebens warteten. Und die Fährleute erzählten dann ja ihre Geschichte und von dem Schimpfen des Königs über die Schlechtigkeit der Hitzackeraner und von dem Pferdedreck; - aber von dem Gold sagte der Fährschulz nichts, nicht mal seiner Frau, die könnte vielleicht ihren Mund nicht halten. Aber die Hitzackeraner Bürger wunderten sich, was für ein schönes Gewerbe doch der Fährbetrieb sein müsse, und wieviel Geld der Mann doch einnehmen und ausgeben würde, - und der Neid wollte sie packen, denn in ihren eigenen Geschäften ging das nun nicht mehr so einfach ohne die Hilfe der Zwerge, und die Leute sagen noch heutigen Tages:

 

"Einst waren die Zwerge der Stadt ihr Segen;
nun müssen die Bürger sich selber regen!"

© Übersetzung: Etta Bengen. Sagentext: Niedersächsischer Lorbeerhain von 1659. Nachdruck nach der Veröffentlichung im Evangelischen Gemeindeblatt für den Kirchenkreis Dannenberg, von Februar Nr. 2 bis August Nr. 8, 1932.



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